Über dieses Buch

 

»Herr der Welt« ist einer der wichtigsten dystopischen Romane des 20. Jahrhunderts. Er liegt hier erstmals in einer vollständigen, deutschen Übersetzung vor. Ganz wie George Orwells »1984« oder Aldous Huxleys »Brave new world« beeindruckt der Roman heute vor allem durch seine visionäre Kraft.

Mit erstaunlicher Klarsichtigkeit benennt Benson bereits um 1900 die Vorrausetzungen eines neuen Politikertyps, der in den kommenden Jahrzehnten Europa und die Welt  bestimmen wird. Benson ahnt bereits Abhängigkeit dieses Typs Alleinherrscher von den suggestiven, gleichsam liturgisch zelebrierten Massenveranstaltungen, von ihren rhetorischen Fertigkeiten und einer kritiklosen Hörigkeit der gehobenen Beamtenschaft.

Aber nicht nur im Antichristen Felsenburgh erkennen wir heute das Schreckgesicht der Moderne.

In dem für den Leser am Anfang des 21. Jahrhunderts befremdlichen Glaubensfanatismus eines Percy Franklin begegnen wir erstmals religiösem Wahn als einer politischen Kraft. Einer Kraft wie sie von Gestalten wie Osama bin Laden genutzt wurde, genauso wie sie evangelikale Politiker aus dem rechten politischen Spektrum der Vereinigten Staaten anzutreiben scheint.  Es ist das Verdienst von Bensons apokalyptischen Visionen mit dem Einblick in das Seelenleben seiner Figur Percy Franklin, die Motive und inneren Zwänge jener Eiferer eingehend ausgeleuchtet zu haben.

Die Stärke des Romans liegt nicht zuletzt darin, dass sich der Autor von einer eindeutig interpretierbaren ideologischen Richtung frei gemacht hat. Und so bleibt am Ende offen, ob die Welt tatsächlich – wie von Percy empfunden – untergeht, oder ob nicht doch ein religiöser Wahn ihn dieses Ende herbeiphantasieren lässt.