Kategorie: Panoptikum


  • Kennst du schon den Chinche? Na warte, du wirst ihn kennenlernen, wenn du ihm zu nahe kommst, denn heute sagen wir „Stinktier“ zu ihm. – Dieses Blatt, das ich als Originalexemplar aus Familienbesitz bewahre, gehört zur gleichen Ahnengalerie absonderlicher Kreaturen, die schon meine frühe Vorliebe für zoologische Randfiguren genährt hat. 

    Aus: Neue Bildergallerie für die Jugend, Band 1, VI. Heft. Gotha: Carl Hellfarth, 1834, Nr. 696 (Lithographie/Kupferstich).


  • Zu nicht unwesentlichen Teilen basiert meine ausgesprochene Liebe zu absonderlichen Kreaturen sicherlich auf der täglichen Anschauung dieser ganz besonderen Ahnengalerie an den heimischen Wänden meiner Kindheit.

    Aus: Neue Bildergallerie für die Jugend, Band 1, VI. Heft. Gotha: Carl Hellfarth, 1828 (Kupferstich).


  • Erst erschienen als scheinbar seriöser Fall der Cephalopodenforschung, wurde die Riesenkrake verdammt ins Reich der Phantasie. In jüngeren Tagen schließlich, o Wunder, kommt heraus: Es gibt sie wirklich, die Riesentintenfische. Was werden wir noch alles herausfinden? – Auch dieses Blatt aus meiner Kollektion stammt aus dem Familienbesitz und hat meine Phantasie von frühester Kindheit an beflügelt.


  • Der norwegische Bischof und Naturforscher Erik Pontoppidan veröffentlichte 1752 in The Natural History of Norway erstmals eine halbtheologische, halbzoologische Darstellung der sagenhaften Seeschlange – mit Augenzeugenberichten, Maßangaben und moralischem Kommentar. Um 1839 (Edinburgh) wurde dieses Verdachtswesen der Zoologie in einen musterhaft beschrifteten Kupferstich überführt, als vorläufiges Mitglied der nordatlantischen Meeresfauna – bevor es aus den Handbüchern in die diskretere Rubrik „Seemonster“ und schließlich in mein Panoptikum wechselte.


  • Neun winzige Besucher flanieren unter dem gewaltigen Gerippe eines „Great Northern Rorqual“: eine um 1837 in Edinburgh gedruckte Wal-Studie von William Home Lizars, halb Naturkunde, halb Theater – und heute ein kurioses Schaustück zwischen meinen anderen Exponaten.


  • Wahrer Entdeckergeist besteht für mich weniger darin, Phantasien zu widerlegen, sondern sie zu ergänzen: Im 17. Jahrhundert riss der Naturforscher Athanasius Kircher die Erde auf wie eine Apfelsine: in der Mitte ein feuriger Motor, darum ein Adergeflecht aus Lava- und Wasserkanälen, das Vulkane, Quellen und Meere verbindet.