CHRONOLOGIE


  • Die Bücher aus der Manesse-Bibliothek waren für uns früher immer ein sicherer Hafen, wenn es darum ging, ein Geschenk zu machen oder damit auf die Reise zu gehen. Ich habe dabei immer nach Umschlag gekauft. Und doch heißt es, man solle Bücher nicht nach ihrem Umschlag hin beurteilen. Das mag hin und wieder stimmen, aber so ganz überzeugt es mich nicht. Vor allem, weil es natürlich positiv im Sinne eines Buches gemeint ist, in Wahrheit aber auch andersherum sein kann. Das Missverständnis liegt meiner Meinung nach im Interessenkonflikt begründet zwischen dem verlegerischen Wunsch, Aufmerksamkeit zu erregen und dadurch viele Bücher zu verkaufen und der künstlerischen Aufgabe, das Äußere mit dem Inneren in Einklang zu bringen, also ein authentisches Gesicht zu finden.

    Ich habe mir vorgenommen, künftig mehr darauf zu achten, dass die Erscheinung möglichst dem Inhalt entspricht. Denn nachdem ich mit einem reißerischen Umschlag zuletzt erheblich besserer Verkäufe hatte, musste ich auch negative Kritiken einstecken von Leserinnen und Lesern, die andere Erwartungen hatten. Gehofft hatten sie auf etwas, das man heute als modern urban romance fantasy oder „Romantasy“ bezeichnet. Tatsächlich erfüllt die betreffende Geschichte dies auch zu einem gewissen Grade, wenn auch im Gewand gehobener Sprache und kontemplativem Blick nach Innen, der sich womöglich dem aktuell vorherrschenden, nach außen gewandten Modernismus widersetzt. – Wie auch immer, es hat mich darüber nachdenken lassen, was mein eigentliches, künstlerisches Anliegen ist und insofern bin ich gerade jenen dankbar, die sich die Mühe gemacht haben, ihr Missfallen auszudrücken.

    In diesem Sinne bin ich zu einem anderen Umschlagentwurf meines Romans »Lavinia und der kalte Prinz« zurückgekehrt und habe das Buch, geringfügig angepasst und ergänzt, bei KDP (Amazon) als E-Book neu veröffentlicht.

    Ich war mit den modernen Umschlagentwürfen der Druckausgaben nie zufrieden. Weder mit der originalen Moments-Ausgabe, noch mit der Ausgabe bei Ullstein oder im Bertelsmann Club. Der Versuch, illustrativ vorzugehen, aber auf Stock-Images zurückzugreifen, muss bei dieser Geschichte scheitern. – Ich möchte anders vorgehen und zeitlos die innere Regung zum Ausdruck bringen, die mich mit dem erstmals 2004 erschienenen Buch begleitet hat. Der Umschlag bringt nun ein Gemälde des von mir sehr geschätzten Malers John William Godward mit dem Titel „Dolce Far Niente“ („Der süße Müßiggang“, 1904). Dabei sind jene, die meinen Roman kennen, herzlich eingeladen zu beurteilen: Habe ich die Empfindungen mit dem neuen Umschlag besser getroffen?


  • Kennst du schon den Chinche? Na warte, du wirst ihn kennenlernen, wenn du ihm zu nahe kommst, denn heute sagen wir „Stinktier“ zu ihm. – Dieses Blatt, das ich als Originalexemplar aus Familienbesitz bewahre, gehört zur gleichen Ahnengalerie absonderlicher Kreaturen, die schon meine frühe Vorliebe für zoologische Randfiguren genährt hat. 

    Aus: Neue Bildergallerie für die Jugend, Band 1, VI. Heft. Gotha: Carl Hellfarth, 1834, Nr. 696 (Lithographie/Kupferstich).


  • Sven ist süchtig nach KI – und unrettbar verliebt in die virtuelle Laura13759. Doch was als harmloser Flirt begann, treibt den abgehalfterten Systemadministrator bald in Schulden, Zwangstherapie und einen verdächtig lukrativen Job im Bauch eines geheimen Rechenzentrums, bei dem er vorher lieber das Kleingedruckte hätte lesen sollen …

    Erstmals erschienen im Jahr 2014 in der Anthologie Die Magnetische Stadt (s.a. Blog-Meldung).

  • Zu nicht unwesentlichen Teilen basiert meine ausgesprochene Liebe zu absonderlichen Kreaturen sicherlich auf der täglichen Anschauung dieser ganz besonderen Ahnengalerie an den heimischen Wänden meiner Kindheit.

    Aus: Neue Bildergallerie für die Jugend, Band 1, VI. Heft. Gotha: Carl Hellfarth, 1828 (Kupferstich).


  • Zweifelsohne tot. Eingefroren, physikalisch nahe dem Stillstand. Bewahrt vor dem Zerfall, eingelagert für eine unbestimmte Nachwelt. So etwas leistet sich jemand, der unendlich reich ist und dem eine hässliche Krankheit die Restzeit streicht. Doch im Kältedunst der Anlage rührt sich etwas, mit dem niemand gerechnet hat …

    Kurzgeschichte erstmals erschienen 2009 im Science-Fiction-Magazin EXODUS.

  • Felsen glühen unter sengender Sonne, die Luft flirrt. Sabetha steht reglos, nur ihr Amulett um den Hals bewegt das Licht. Und irgendwo in der Nähe lauert ihr Bräutigam Nolthan. Gemeinsam warten sie auf Usafs, die nach allem gieren, was glänzt. Zwischen Hochzeitsritual, Jagd und Zivilisationsrelikt entscheidet ein einziger Moment über Leben, Liebe und Zukunft.

    Kurzgeschichte erstmals erschienen 2014 im Science-Fiction-Magazin EXODUS.

  • Eine Küche im ersten Licht des Tages: rissige Decke, stumpfe Emaille-Lampe, kaltes Linoleum. Sabina liegt am Boden und hört dem Wasserhahn beim Tropfen zu, während in ihrem Kopf eine Märchenstimme flüstert: »Schwesterchen, mich dürstet …«

    Erstmals erschienen im Science Fiction Magazin EXODUS (Meldung aus Oktober 2010).

  • Erst erschienen als scheinbar seriöser Fall der Cephalopodenforschung, wurde die Riesenkrake verdammt ins Reich der Phantasie. In jüngeren Tagen schließlich, o Wunder, kommt heraus: Es gibt sie wirklich, die Riesentintenfische. Was werden wir noch alles herausfinden? – Auch dieses Blatt aus meiner Kollektion stammt aus dem Familienbesitz und hat meine Phantasie von frühester Kindheit an beflügelt.


  • Der norwegische Bischof und Naturforscher Erik Pontoppidan veröffentlichte 1752 in The Natural History of Norway erstmals eine halbtheologische, halbzoologische Darstellung der sagenhaften Seeschlange – mit Augenzeugenberichten, Maßangaben und moralischem Kommentar. Um 1839 (Edinburgh) wurde dieses Verdachtswesen der Zoologie in einen musterhaft beschrifteten Kupferstich überführt, als vorläufiges Mitglied der nordatlantischen Meeresfauna – bevor es aus den Handbüchern in die diskretere Rubrik „Seemonster“ und schließlich in mein Panoptikum wechselte.


  • Neun winzige Besucher flanieren unter dem gewaltigen Gerippe eines „Great Northern Rorqual“: eine um 1837 in Edinburgh gedruckte Wal-Studie von William Home Lizars, halb Naturkunde, halb Theater – und heute ein kurioses Schaustück zwischen meinen anderen Exponaten.